Alternative Energien und Abwasseraufbereitung
( Biogas und Pflanzenkläranlage )
15.09.2008

Alternative Energien und Abwasseraufbereitung

Schon in den Jahren 1998, 1999, und auch 2000 veranstalteten wir recht aufwendige Symposien, um einer breiten Öffentlichkeit Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man auch auf einer Insel, die ein ganz besonders sensibles Ökosystem hat, also eine schnell zu störende Wechselwirkung zwischen Lebewesen und Umwelt aufweist, eine Störung dieses Systems abwenden kann.

Das empfindliche Biotop FUERTEVENTURA bedarf eines direkten Schutzes und so hatte ich mich entschlossen, unabhängig von den stattfindenden Symposien auch Beispielhaftes auf dieser Insel zu schaffen. Das Prinzip, die Stoffe in den natürlichen Kreislauf zurückzugeben, dort, wo diese entstehen, veranlasste mich, von der Natur vorgegebene Technologien aufzugreifen, und so entstanden in unmittelbarer Nähe des Hotels Risco del Gato eine Biogasanlage und auch eine Pflanzenkläranlage. An dieser Stelle möchte ich auch der Humboldt-Universität Berlins danken, die mich beispiellos in meinen Vorhaben unterstützte.

Bedenkt man, dass 65 % des anfallenden Mülls auf unserer Insel organischen Ursprungs ist, so liegt es nahe, diesen alternativ zu nutzen.

Biogasanlage
Die Biogasanlage, auch Fermenteranlage genannt, besteht aus einem Turm, der 3 m hoch ist und einen Innenradius von 5 m hat. In diesem Turm sind zwei Kammern untergebracht, die Hydrolysekammer, in die der gesamte organische Müll des Hotels gefüllt wird, und die Fermenterkammer, in der nach Überlaufen der Hydrolysekammer ein Gärungsprozess einsetzt. In der Hydrolysekammer erfolgt eine Molekülaufspaltung des organischen Mülls mit Hilfe des Wassers. Gelangt der Müll in die zweite, die Fermenterkammer, so entstehen bei der Vergärung Gase, wie Methan, CO2 und andere. Methan ist ein brennbares Gas und kann sinnvoll zur Erzeugung elektrischer und auch kalorischer Energie verwertet werden. Der gesamte Gärungsprozess läuft ohne Luftsauerstoff ab, man nennt ihn deshalb auch anaerob. Damit der Müll weder an der Oberfläche des Fermenterturms noch auf dem Grund aussedimentiert, gibt es ein Rührwerk, das vier Mal am Tag für 10 Minuten den gesamten Müll des Turms mischt. Das bei der Vergärung entstehende Gas ( ca. 75 % Methan = CH4 ) und Kohlendioxyd ( 25 % CO2 ) und auch die anderen Spurengase sammeln sich unter einer Membrane und werden von dort zu einem Blockheizkraftwerk geleitet, wo diese dann in elektrische und kalorische Energie umgewandelt werden.

Pflanzenkläranlage
Das gesamte Abwasser des Hotels ( ca. 35 m3 pro Tag ) wird in eine Grube, die aus drei Kammern besteht, eingeleitet und zunächst einmal sedimentiert. Aus der letzten Kammer fließt es mittels Pumpen in die Pflanzenkläranlage.
Diese Anlage besteht aus vier Becken, die 12 m lang, 12 m breit und 0,75 m tief sind.
Der Gesamtinhalt der vorhandenen Becken ist 440 m3 groß und gewährleistet somit eine Verweildauer des Abwassers in diesen Becken von ca.12 Tagen. Damit das Wasser nicht aus diesen Becken austreten kann, sind die Becken mit einer Folie abgedichtet.
In den Becken wachsen Schilfpflanzen, die „ Phragmites Australis, die mehrere Aufgaben erfüllen. Auf der einen Seite sind ihre Wurzeln verantwortlich für die Durchlässigkeit in den Pflanzenbecken und auf der anderen Seite transportieren sie durch ihre spezielle Zellstruktur den aus der Luft aufgenommenen Sauerstoff. Der Sauerstoff wird von den Wurzeln in deren direkte Umgebung abgegeben und sorgt so für das Leben aller sich dort befindlichen Mikroorganismen. Diese Mikroorganismen zerlegen das Wasser unter anderem in Stärke und Zucker, und da die Mikroorganismen eine geschlossene Nahrungskette aufweisen, bleiben auch keine Rückstände über, die die Klärbecken verstopfen könnten. So werden auch die Phosphate an die Reaktormasse gebunden und die Nitrate entweichen an die Luft.
Die einzige, zur Aufbereitung der Abwässer nötige Energie ist auf dieser Insel an fast 340 Tagen des Jahres vorhanden – die Sonnenenergie. Sie garantiert das Wachstum des Schilfgrases und beschleunigt den Prozess der Photosynthese und den der Assimilation (Synthese organischer Verbindung).

Bis heute wurde diese einfache Entsorgung des Mülls und die Erzeugung von Strom, auch die billige Möglichkeit der Aufbereitung des Abwassers, nicht aufgegriffen. Man investiert lieber das Geld in konventionelle Anlagen und kauft den teuren Strom unseres Energieanbieters UNELCO.