Eduardo Chillida
25.09.2008

Eduardo Chillida

Wer die Insel Fuerteventura kennt, weiß, dass sie nicht viel Kultur und Kulturelles bietet. Man kennt Betancuria, Pájara mit seiner alten Kirche, La Oliva und noch ein paar andere Orte, die man natürlich gesehen haben muss, aber neben ihrer wilden Schönheit und der unfassbaren Weite, neben den wunderschönen Stränden und ihrem Klima bietet sie recht wenig. Den meisten genug, um hier einen traumhaften, erholsamen und alles vergessenden Urlaub zu verbringen.

Schon im Jahre 1995 verliebte sich ein sehr bekannter, spanischer Künstler, EDUARDO CHILLIDA, in die Insel Fuerteventura. Chillada hatte und es sei auch nur am Rande bemerkt, von sich reden gemacht, als er für den deutschen Altkanzler Schröder ein Monument entwarf „ Die Fangarme, die Zange „, das heute vor dem Kanzleramt in Berlin steht.

Chillida hatte eine Intuition, von der er glaubte, dass sie nur Utopie war und bleiben sollte. Als er aber Fuerteventura mit seiner kargen Landschaft kennenlernte, nahm diese Intuition gedankliche Formen an. Er glaubte, seine Utopie im heiligen Berg Tindayas realisieren zu können. Im inneren des heiligen Berges wollte er eine Aula, einen großen Raum schaffen, für alle Menschen, egal welcher Rasse und Farbe, einen Ort, der das Sinnbild der Toleranz, des Friedens werden und aufzeigen sollte. Ebenso sollte diese Aula zur Achtung und zum Respekt der Menschen, den Menschen gegenüber, beitragen.

Seine Skulptur, so werden alle seine Werke genannt, eine sehr monumentale Skulptur, sollte nicht nur den heiligen Berg schützen, einen neben dem kleinen Ort Tindaya liegenden Berg, nein, sie sollte den gesamten Berg in Kunst verwandeln. Er wollte das Dynamische und das Statische verbinden, die Landschaft, das vorgegebene Natürliche, aber auch den Wind, die Berge und das Meer. Von außen hätte man das Innere ohnehin nicht wahrnehmen können, aber im Inneren des Berges sollten die Menschen nicht nur das Herz der Skulptur durchdringen können, man sollte das Licht der Sonne und des Mondes sehen und den Horizont, unerreichbar und fast nicht erforderlich und auch unbedeutend.

Seinerzeit hatte die Regierung der kanarischen Inseln seine Illusionen unterstützend begleitet. Schon kurz darauf schien aber alles, in einer unendlichen Polemik unterzugehen und die endlosen, auch politische Auseinandersetzungen veranlassten Chillida immer wieder dazu, zu beteuern und seine Eingebungen und Gedanken in der Presse klarzustellen, sie öffentlich zu verteidigen, denn er wollte den heiligen Berg schützen und nicht zerstören. Er sah die Symbiose des Berges, des heiligen Berges, die vergangenen, prähistorischen Zeugnisse mit der Wirklichkeit.

Bis heute brach die Polemik nicht ab und sie wird am meisten von den sogenannten Umweltschützern angefacht. Unverständlich, denn die Insel hätte die Möglichkeit ein Kulturgut zu schaffen und ein anderes, den heiligen Berg zu schützen. Ebenso hätte die Insel die Möglichkeit als Katalysator die Präsenz eines sehr bekannten Künstlers zu beweisen und eine weitere Beteiligung in der Welt der Kunst nicht nur für die Insel zu schaffen.

Unabhängig von der Magnetwirkung dieses einmaligen Projektes Chillidas, sollte man die Wirkung und die Auswirkung Chillidas berücksichtigen. Was Caesar Manrique für die Insel Lanzarote war, was er dort bewirkte, könnte Chillida mit seinem Projekt für Fuerteventura bewirken. Fuerteventura würde sich der übrigen Welt, der kunstverständigen Welt hin öffnen und seinen weltoffenen und großzügigen, nicht verschlossenen Charakter unter Beweis stellen können.

Dass die Insel Fuerteventura ansonsten der Welt gegenüber offen ist, hat sie mit ihren kolossalen und monströsen Scheußlichkeiten, den Bettenburgen bewiesen. Komisch, denn da haben die Umweltschützer völlig versagt. Keine heftigen Dementis wurden laut, keine Demonstrationen veranstaltet, man hat die Verschandelung der Natur einfach zugelassen. Aber es sind ja auch zwei sehr unterschiedliche Welten, die Welt, in der nur der schnöde Mammon regiert und die Welt, in der das Sublime, das Kunstvolle und die Kultur, die Ästhetik, das Wissen um das Schöne der Künste vorherrschen.

Chillida starb im August 2002. Sein Projekt, das in allen Details vor geraumer Zeit und noch weit vor seinem Tod fertig wurde, könnte von seinen Gönnern, seinen Freunden und Mitarbeitern fertig gestellt werden.

Warten wir es ab, wie sich die Umweltschützer in der Zukunft entscheiden werden. Einen ersten Schritt hat die Inselregierung getan, sie hat das Gestein des Berges Tindaya auf seine Festigkeit und Tragfähigkeit untersuchen lassen. Man stellte fest, dass der Berg Tindaya alle für das Projekt Chillidas nötigen Voraussetzungen besitzt.

Wir werden vom Fortschritt oder einem hoffentlich nicht eintretenden Niedergang des einmaligen Projektes CHILLIDAS berichten.